Druckversion (pdf)

Von Fjordman, übersetzt von Deep Roots
Das Original „Preparing for Ragnarök“ erschien am 2. Mai 2011 auf Gates of Vienna.
Die Vorhersage der Zukunft ist eine schwierige Sache.
De civitate Dei („Vom Gottesstaat“) wurde von Augustinus von Hippo geschrieben, kurz nachdem Rom im Jahr 410 von den Westgoten geplündert wurde. Dies schockte ihn und seine Zeitgenossen, und doch verstand er offenbar nicht, daß das, was er sah, der Tod einer ganzen Zivilisation war. Augustinus selbst starb, während die Vandalen im Begriff waren, seine Stadt zu plündern.

Der schottische Ökonom Adam Smith veröffentlichte sein Buch „The Wealth of Nations“ im Jahr 1776 während des Frühstadiums der industriellen Revolution in Großbritannien, und doch sah er diese historische Umgestaltung nicht kommen. Augustinus und Smith waren beides sehr kluge Männer, aber nicht einmal sie konnten die nahe Zukunft vorhersehen oder die volle Kraft der Veränderungen verstehen, die zu ihrer eigenen Lebenszeit im Gange waren. Individuen, die viel klüger waren als ich, haben sich spektakulär hinsichtlich der Zukunft geirrt. Es besteht ein sehr großes Risiko, daß ich jetzt denselben Fehler machen werde, aber ich werde es versuchen.
Mir ist zunehmend der Verdacht gekommen, daß die westliche Zivilisation nicht bloß bedroht ist, sondern daß sie eigentlich schon tot ist. Sie starb wahrscheinlich vor vielen Jahren; wir haben es damals nur nicht bemerkt. Der Westen befindet sich gegenwärtig in einem solch fortgeschrittenen Stadium des Niedergangs, daß irgendeine Art von Kollaps nicht länger vermieden werden kann. Der vorhandene Bewegungsimpuls ist zu groß, und die herrschenden Oligarchen versuchen nicht einmal, auf die Bremse zu treten. Ein Kollaps wird stattfinden. Es ist nur eine Frage dessen, wie wir damit fertigwerden, und ob es uns gelingt, hinterher ein wohlbemessenes Heimatland für unser Volk zu erkämpfen.
Ich glaube, daß die Europäische Union sich innerhalb der kommenden Generation auflösen wird, daß die USA in ihrer gegenwärtigen Form dieses Jahrhundert nicht überleben wird und daß uns innerhalb der kommenden Generation eine volle strukturelle, politische, ideologische und wirtschaftliche Krise bevorsteht, gefolgt von schweren gesellschaftlichen und ethnischen Konflikten. Während das zwanzigste Jahrhundert das blutigste Jahrhundert der bisherigen menschlichen Geschichte war, fürchte ich, daß das einundzwanzigste Jahrhundert es schließlich übertreffen wird, allein schon aus dem Grund, daß die Welt heute viel bevölkerungsreicher ist, als sie es 1914 oder 1939 war.

Wie Jacques Barzun, der in Frankreich geborene amerikanische Lehrer, Autor und Ideenhistoriker, es in „From Dawn to Decadence“ ausdrückt: „Wie eine Revolution aus einem gewöhnlichen Ereignis heraus ausbricht – eine Flutwelle aus Wellengekräusel – ist Ursache für endloses Staunen. Weder Luther im Jahr 1517 noch die Männer, die sich 1789 in Versailles versammelten, beabsichtigten zunächst, was sie schließlich hervorbrachten. Noch weniger sahen die russischen Liberalen, die die [Februar-] Revolution von 1917 durchführten, das voraus, was folgte. Alle waren so unwissend wie alle anderen darüber, wie viel zerstört werden sollte. Genausowenig konnten sie erraten, welche fieberhaften Gefühle, welches seltsame Verhalten folgt, wenn eine Revolution, sei sie groß oder kurzlebig, in der Luft liegt.“ Mr. Barzun erinnert uns auch daran, daß „wenn Menschen Sinnlosigkeit und das Absurde als normal akzeptieren, die Kultur dekadent ist. Der Begriff ist keine Verunglimpfung, sondern ein technischer Begriff. Eine dekadente Kultur bietet hauptsächlich dem Satiriker Chancen.“ Der Westen heute ist eindeutig dekadent.
Der in Rußland geborene Autor Alexander Boot promovierte an der Moskauer Universität unter dem kommunistischen System des Kalten Krieges in Philologie und lehrte englische und amerikanische Literatur, bevor er Schwierigkeiten mit dem KGB bekam, der Geheimpolizei der Sowjetunion. Er wanderte 1973 in den Westen aus, nur um zu entdecken, daß der Westen, den er bewunderte und suchte, nicht mehr existierte. Dies inspirierte ihn zu einer lebenslangen Suche nach einer Erklärung, wovon einiges in seinem Buch “How the West Was Lost” ausführlich beschrieben wird. Er sieht die westliche Geschichte als einen anhaltenden inneren Kampf zwischen zwei verschiedenen Wesen, die er Modman und Westman nennt. Sankt Paulus war ein griechisch-römischer Christ und der erste Westman. Modman sah sich als nahe dem Göttlichen; Jesus Christus, Gott als Mensch, war durch Modman als Gott ersetzt worden, aber der alte Gott mußte zuerst sterben.
Er glaubt, daß die nichteuropäischen Einwanderer als geschützte Klasse dienen, die von den herrschenden Eliten als Rammbock benutzt wird, um die Nationalstaaten des weißen Westens systematisch zu zerschmettern und zu demolieren. Gesetze gegen „Rassismus“ sind daher nicht dazu gedacht, kriminelle Handlungen zu bestrafen, sondern dazu, jede Opposition unter Europäern einzuschüchtern, indem man die Weißen ständig in Furcht und geistig in der Defensive hält. „Sie stehen in den Büchern, um die Macht des Staates zu bekräftigen, nicht nur die Handlungen der Bürger zu kontrollieren, sondern, was noch wichtiger ist, ihre Gedanken.” Boot warnt, daß „ein Staat, der in der Lage ist, eine Person wegen ihrer Gedanken zu bestrafen, gleichermaßen in der Lage ist, Tausende zu bestrafen, und das vorhersehbarerweise tun wird, wenn er seine Macht ausreichen konsolidiert hat, um mit jeder Freveltat durchzukommen.“ Aus diesem Grund, sagt der Autor voraus, „werden immer mehr Menschen in Westeuropa und Nordamerika nicht für etwas in Gefängnis gesteckt werden, das sie getan haben, sondern für etwas, das sie gesagt haben.“
Alexander Boots grundsätzliche Schlußfolgerung ist die, daß der Westen tot ist, aber als Christ glaubt er an die Auferstehung und die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod. Vielleicht ist das keine schlechte Zusammenfassung.
Laut dem französischen Autor Guillaume Faye wird die Menschheit zum ersten Mal als Ganzes von einer kataklysmischen Krise bedroht, die wahrscheinlich im Jahrzehnt vor 2020 beginnen soll – einer Krise, die vom Verfall der Ökosysteme und von geopolitischen Auseinandersetzungen um knappe Ressourcen wie landwirtschaftlichen Flächen, Öl und vor allem Wasser provoziert wird; durch die Zerbrechlichkeit einer internationalen Wirtschaftsordnung, die auf Spekulation und massiver Verschuldung demokratischer Staaten beruht; durch die Rückkehr von Epidemien; durch die Zunahme von Terrorismus und nuklearer Proliferation; durch die wachsende Aggressivität der Weltoffensive des Islams und durch das dramatische Altern der europäischen Populationen, deren unter dem Erhaltungsniveau liegende Geburtenraten mit schnell wachsenden Massen junger Leute in den dysfunktionalen Ländern des globalen Südens konfrontiert sind, gepaart mit Massenmigrationen in den Norden.
Dieses Zusammenkommen von Katastrophen wird den Übergang von einer Ära in eine andere markieren. Die USA werden höchstwahrscheinlich bis Mitte des Jahrhunderts aufhören, die führende Weltmacht sein, und vielleicht überhaupt in ihrer gegenwärtigen Form zu existieren aufhören. Das globale Machtzentrum wird sich dann zurück nach Eurasien verlagern, wo es früher fast immer gewesen ist. Die stärkste Macht wird wahrscheinlich China sein, oder das, was Faye „Eurosibirien“ nennt – eine föderative Allianz zwischen den Völkern Europas plus Rußlands. Er glaubt nicht, daß dies buchstäblich das Ende der Welt ist, sondern bloß der Welt wie wir sie kennen. Etwas Neues mag aus diesen Ereignissen hervorgehen, nachdem Europa eine Zivilisation der Metamorphose ist.
Den Rest des Beitrags lesen »