von Fjordman
Veröffentlicht zuerst am 14. November 2008 bei Gates of Vienna, übersetzt von Thatcher
Dieser Beitrag wurde aus Fjordmans verstreuten Kommentaren zu früheren Beiträgen hier und hier zusammengestellt.
Ich habe „Greek Thought, Arab Culture“ von Dimitrios Gutas gelesen, ein überraschend langweiliges Buch. Gutas behandelt die Bagdader Bewegung, die Texte ins Arabische übersetzte, als eine große Errungenschaft. Es war zwar sicherlich eine Errungenschaft, aber er gibt zu, dass sie sehr von der zuvor etablierten persischen zoroastrischen Ideologie des Übersetzens und der Bibliotheken profitierte. Auch gibt er zu, dass Moslems ausschließlich naturwissenschaftliche Werke übersetzten, nicht aber zum Beispiel die Epen Homers. Kurz erwähnt er, dass sie einige Werke aus dem Sanskrit und dem Persischen übersetzten, doch von den indischen sagt er fast nichts. Das indische Zahlensystem war wichtig und sollte erwähnt werden, obwohl die griechischen Texte klar die wichtigsten waren.
Moslems hatten Zugang zu griechischen, persischen und sanskritischen Werken. Theoretisch gesehen hätten sie die gesamten indoeuropäische Sprachfamilie erforschen können. Das haben sie aber nicht. Europäer taten das. Zwar stimmt es, dass Moslems einige lohnende Arbeit in der Mathematik geleistet haben, aber wir sollten uns daran erinnern, dass die drei wichtigsten mathematischen Traditionen der Antike die griechische, die mesopotamische (von der die griechische gelernt hatte und die die persische fortsetzte) und die indische waren. Das bedeutet, dass die nahöstlichen Moslems zugleich direkten Zugang zu allen drei der der bedeutendsten mathematischen Traditionen der Erde hatten. Sie machten einige Fortschritte in der Algebra, doch es wäre auch sehr erstaunlich, wenn sie überhaupt keine wichtige mathematische Arbeit geleistet hätten.
Ein Buch auf meiner Leseliste, das ich bisher noch nicht gelesen habe, ist „The Shape of Ancient Thaught: Comparative Studies in Greek and Indian Philosophies“ von Thomas McEvilley. Mein Eindruck aus dem, was ich darüber gelesen habe, ist, dass er den indischen Einfluss auf die griechische Kultur überbetont. Heutzutage sagt jeder, dass die griechische Kultur „in Wahrheit“ irgendwo anders erfunden wurde (man denke an das schwarze Athen). Wir wissen aber sehr gut, dass die Ägypter, Mesopotamier und Phönizier die Griechen beeinflussten, doch haben die Griechen das offen zugegeben, und diese Kulturen gehörten alle zur Welt des östlichen Mittelmeerraums, während Indien weit weg lag.
Es gibt eine Denkschule, die behauptet, dass Platos politisches System in „Politeia“ (Der Staat) das hinduistische Kastensystem widerspiegelt, und dass der griechische Atomismus vom indischen importiert worden sei. Bisher habe ich keinen überzeugenden Beweis dafür gesehen, und es ist schwierig einzusehen, wie dieser Einfluss vor der hellenistischen Zeit nach Griechenland hätte gelangen sollen, doch die Frage lohnt der Untersuchung. Wir können Spuren eines mit Indien gemeinsamen proto-indoeuropäischen mythologischen Erbes finden, wenn es auch verblasst ist.
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Die chinesische mathematische Tradition war zwar bedeutend, aber weniger einflussreich als die indische. Ich bin versucht zu sagen, dass China eine Hardware-Zivilisation war, während Indien eine Software-Zivilisation war. Die Wahrheit ist, dass in Anbetracht der Größe ihrer Wirtschaft und Bevölkerung die Chinesen überraschend schwach in der Mathematik und allgemein in den abstrakten Wissenschaften waren. Dies beweist, dass ein gewisses Wohlstandsniveau für das Wachstum moderner Wissenschaften (sehr arme Leute konzentrieren sich aufs Überleben, nicht darauf, die Infinitesimalrechnung oder die vergleichende Sprachwissenschaft zu erfinden) eine notwendige, aber keineswegs hinreichende Bedingung ist. Die Chinesen glaubten, dass die Erde flach sei, bis ins siebzehnte Jahrhundert AD, und diesen Irrtum korrigierten sie erst, nachdem ihre Astronomie durch die europäische Astronomie praktisch umgeworfen worden war. Dies geschah, nachdem europäische (griechische) Astronomen seit zweitausend Jahren wussten, dass die Erde kugelförmig war; ein Wissen, dass trotz populärer Mythen, die das Gegenteil behaupten, während des Mittelalters niemals verloren gegangen ist.
Asiatische Raketen wogen zumeist etliche Kilogramm und urden durch Schießpulver angetrieben. Keine von ihnen wäre in der Lage gewesen, die irdische Schwerkraft zu überwinden, die Atmosphäre zu verlassen und das Sonnensystem zu erforschen. Tatsächlich hatten die Asiaten niemals einen Begriff von „Schwerkraft“. Raumfahrt ist die Erfindung einer einzigen Zivilisation, und zwar der westlichen. Keine der asiatischen Nationen kam jemals auch nur in die Nähe, etwas Ähnliches selbst zu erreichen, nicht einmal die Japaner. Tatsächlich wäre die Menschheit ohne den Beitrag der Europäer noch Jahrhunderte davon entfernt, das Sonnensystem erforschen zu können.
Vom vierzehnten Jahrhundert AD, also seit der Italienischen Renaissance, bis ins zwanzigste Jahrhundert wurden fast alle wichtigen weltweiten Fortschritte in der Mathematik von Europäern geleistet. Ich bin versucht zu sagen, dass die europäische Führerschaft in der Mathematik stärker war als in allen anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Vielleicht ist die einfachste Erklärung dafür, dass die wissenschaftliche Revolution in Europa erfolgte, die, dass die Sprache der Natur in Mathematik verfasst ist, und dass die Europäer mehr als andere Zivilisationen getan haben, das Vokabular dieser Sprache zu entwickeln — oder zu entdecken.

