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EuropeNews, 30. August 2009
Von Farshad Kholghi; übersetzt von Deep Roots
Anmerkung:
Ich war auf dem Weg nach Skanderborg, um der Eröffnung einer Ausstellung von Kurt Westergaards Bildern beizuwohnen, als ich von einem ältlichen Herrn angehalten wurde. Er überreichte mit einen Brief mit der Erklärung, daß es ein Brief eines Propheten an den Karikaturisten sei. Der Brief lautete wie folgt:
Lieber Kurt!
Ich hoffe, es geht Dir gut und Du genießt das Leben. Ich weiß nicht, ob es Dir bekannt ist, aber ich bin schon seit vielen Jahren tot. Trotzdem geht es mir gut, wenn man die Umstände bedenkt. Leider bin ich nicht – wie viele glauben – von 72 Jungfrauen umgeben. Das mit den Jungfrauen war nur etwas, das ich mir ausgedacht habe, um meine Mitkämpfer zu motivieren.
Es ist immer schwer, andere dazu zu motivieren, daß sie für einen sterben. Aus diesem Grund mußte ich mit einer kleinen Halal-Lüge kommen und versprechen, daß Gott ihnen all das im Übermaß geben würde, was ich hier auf Erden für haram oder unrein erklärt habe, wie Wein und Frauen. Offensichtlicherweise mußten sie zuerst sterben. Er war ziemlich ein Glück, daß Hitler nicht auf denselben Trick gekommen ist, weil er sonst ziemlich sicher den Krieg gewonnen hätte. Oh, wo ich Hitler erwähne: Er lebt im Keller meines Hauses und verfolgt die Karriere von Ahmadinejad mit großem Interesse.
Hier bin ich also – leider – zusammen mit all den radikalen Mullahs, den zerfetzten und blutigen Terroristen, mit Lenin, Stalin und all den anderen nützlichen Idioten, die aus irgendwelchen unauslotbaren Gründen die Mullahs lieben. Ich fürchte um mein Leben. Denn sie sind ziemlich wie die dänischen Konvertiten – bar allen Humors und noch fanatischer, als ich selbst in meinen wilden Prophetentagen war, als ich auf einem Kamel ritt, um die Köpfe all jener Dichter abzuschlagen, die meine armseligen Geschichten lächerlich machten.
Jedenfalls schreibe ich Dir dies, weil ich Dir ein par Dinge sagen wollte. Erstens und vor allem: Danke für diese wundervolle Karikatur! Die war sowohl lustig als auch clever. Ich habe laut aufgelacht, als ich sie gesehen habe. Aber die anderen, die toten Imame und die lebenden Toten, die man als die dänische Kultur’elite’ kennt, lachten nicht mit. Sie betrachteten sowohl Deine Zeichnung als auch mein Gelächter als blasphemisch und versuchten, mich in meinem eigenen Namen zu töten, nur weil ich über die Karikatur lachte. Gott kam mir zu Hilfe, und jetzt stehe ich auch unter Personenschutz.
Ich weiß, daß es Dich verwirren wird, daß mir die Karikatur gefällt. Du hast recht. Ich bin unter Propheten nicht dafür bekannt, einen großen Sinn für Humor zu haben. Und doch muß ich zugeben, daß ich ein unkontrolliertes Lachen nicht unterdrücken kann, wenn ich höre, wie Uffe Ellemann [pensionierter dänischer Politiker], oder Uffe Allahman, wie ich ihn nenne, von Freiheit redet. Oder wenn ich Abdul Wahid Petersen reden höre. Ganz ehrlich. Was auf Erden soll das? Ein Mullah aus Jütland?
Jedenfalls denke ich, daß es jetzt, wo Massen bärtiger Amöben, mit oder ohne Kopftuch, ihre Sicht auf die Angelegenheit zum Besten gegeben haben, an der Zeit ist, meine eigenen Gefühle auszudrücken. Ich tue dies ein für alle Mal und für Allah. Meine Gefühle sind weder beleidigt noch verletzt. Und weißt Du warum, Kurt? Weil ich es im Gegensatz zu meinen hysterischen und fundamentalistischen Anhängern geschafft habe, mich mit den Zeiten zu ändern.
Dennoch gibt es viele, die meine Handlungen als Prophet vor 1400 Jahren als perfekt ansehen. Weiß Gott, warum – oder andererseits, Gott weiß es wirklich nicht. Ich auch nicht mehr. All das Zeug von wegen Unfehlbarkeit und so ist purer Quatsch. Ja, einst habe ich wirklich geglaubt, Gottes Geschenk an die Menschheit zu sein. Wie es alle vorpubertären arabischen Jungen glauben. Aber ich habe mich entwickelt.
Ich war zornig, selbstsüchtig und tödlich eifersüchtig, und aus diesem Grund zwang ich meine Ehefrauen, sich zu verhüllen. Und ich war so pingelig wegen meiner Ehre! Oh, das Thema meiner Heirat mit der sehr jungen Aisha werde ich gar nicht erst anrühren. Pfff…
Ich wünsche mir, daß jemand den Leuten sagt, daß sogar ich mich geändert habe und jetzt viele dier Dinge bereue, die ich früher als unfehlbar betrachtet habe.
Lieber Kurt, Du fragst Dich vielleicht, was mich dazu gebracht hat, mich zu ändern.
Glaub mir, das war kaum ein Wunder. Bloß göttliches Eingreifen. Als ich starb, kam Gott persönlich, um mich zu empfangen. Zunächst machte mich das stolz. Aber dann hat Gott mich sechs Tage nacheinander verprügelt, ruhte sich nur zwei Stunden aus und machte dann volle vierzehn Tage lang damit weiter, Vernunft in mich reinzuprügeln, bis ich wirklich anfing, das Ganze zu überdenken.
Gott erklärte mir ein paar Dinge, die ich anscheinend mißverstanden hatte. Seinen Namen zum Beispiel. Er lautet nicht Allah, sondern Allan. Er sagte mir auch, daß ich seine Kernbotschaft mißverstanden hätte, daß die Leute Freude haben sollten. Das war in der Übersetzung verlorengegangen, sodaß ich dachte, es wäre seine Absicht, daß die Leute sich Bärte wachsen lassen sollten. Gott sagte mir, daß Humor und kritisches Denken seine Schöpfungen sind, und Mangel daran das Werk des Teufels. Gott sei Dank kam ich schließlich zu Sinnen.
Ich habe jetzt einen Zustand der Harmonie mit meiner Unsicherheit und Eitelkeit erreicht. Ich nehme Yoga-Unterricht bei Buddha und Therapie bei Freud. Ich genieße die unvergleichlich erleuchtenden Dialoge mit Søren Kierkegaard, Gandhi und Buddha. Noah ist so freundlich, mich auf sein Boot einzuladen. Segeln ist höchst entspannend. Und wir dürfen Jesus nicht vergessen, der mir beigebracht hat, Wasser in Wein zu verwandeln. Ich liebe Wein.
Du, lieber Kurt, bist ein Künstler, also schätze ich, daß Dich das interessieren wird. Mein guter Freund Moses und ich nehmen beide Malunterricht bei Van Gogh, was uns Seelenfrieden gibt. All dies hat mir geholfen, mich zu entwickeln. Es tut mir so leid, daß ich früher Leute terrorisiert habe, mit dem Schwert in der einen Hand und einem zweiten Schwert in der anderen, nur um sie meinen Ideen zu unterwerfen.
Aber was in des Himmels Namen hätte ich damals tun sollen, verloren in einer gottverlassenen Wüste, wo neugeborene Mädchen im Sand vergraben wurden, nur weil sie Mädchen sind? Ich habe damals mein Bestes getan, um die Lebensqualität zu verbessern, aber es hat mich mitgerissen, und ich wurde süchtig nach Macht. Ich wußte es nicht besser, und damals gab es kaum jemand in der Arabischen Wüste, der andere mittels süßem Lächeln und Diskussionstalent überzeugen konnte. Tragischerweise ist die Situation bis zum heutigen Tage dieselbe geblieben. Ich mußte unnachgiebig und hart sein. Aber das muß jetzt nicht so weitergehen.
Glaub mir, ich bin viele Male zur Menschheit herabgeschickt worden, gezwungen von Gott, um die Sache zu bereinigen. Aber jedes einzelne Mal, wenn ich herabkomme und den Leuten sage, sie sollen aufhören, einen überholten Text derart wörtlich zu nehmen, werden sie zu absoluten Berserkern, nennen mich einen Ketzer und steinigen mich entweder zu Tode oder hängen mich an Laternenmasten auf. Sie glorifizieren weiterhin ein altertümliches Bild von mir, ein Bild, das ich nicht länger als meines betrachte. Wovon sie wirklich beleidigt sein sollten, ist nicht irgendeine Karikatur, sondern vielmehr die grausigen Bilder von Glaubensgenossen, die im Namen Gottes die Kehlen von Ungläubigen durchschneiden.

Lieber Kurt. Danke, daß Du mir zugehört hast. Ich wollte nur mal mit einem Freund reden. Ich hoffe, daß Du und alle Geschichtenerzähler euch weiterhin äußern werdet. Glaub mir, kritisches Denken ist wichtig, denn wie einer Deiner Landsleute sagte: Nichts ist heilig, außer der Liebe.
Gott paßt auf Dich auf, aber nur zur Sicherheit sage ich hier, im Namen all der Fanatiker: Bitte um Entschuldigung. Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Gratulation zur Ausstellung!
Beste Grüße,
Der Prophet
Original erschienen auf Europenews: http://europenews.dk/en/node/25796
Siehe auch Gates of Vienna (wo ich darauf gestoßen bin):
http://gatesofvienna.blogspot.com/2009/08/letter-to-kurt-from-prophet.html#readfurther


Deep Roots,
schau mal hier:
Brief van de profeet aan Kurt Westergaard:
http://www.hetvrijevolk.com/index.php?pagina=9153
Kommentar von BeforeDawn — 9. September 2009 @ 22:02
Faszinierend!
Baron Bodissey verlinkt übrigens auch auf alle unsere Übersetzungen, bei denen wir unsererseits einen Link zum Original auf GoV angeben.
Kommentar von Deep Roots — 10. September 2009 @ 20:43