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Von Fjordman, übersetzt von Deep Roots.
Das Original Thoughts on the Recent Atrocities erschien am 25. Juli 2011 auf Gates of Vienna.
Wir haben zur Zeit ungewöhnlich viel Verkehr auf dieser Webseite [Gates of Vienna] wegen der Massaker, die an diesem Freitag, dem 22. Juli in der Region Oslo stattfanden. Anscheinend hat die Person, die gegenwärtig verdächtigt wird, diese Greueltaten begangen und nahezu einhundert Menschen kaltblütig getötet zu haben, Anders Behring Breivik, mich und diese Webseite in einem Buch zitiert, das er veröffentlicht hat.
Es ist in dieser Situation nur fair, daß ich einige meiner Gedanken über dieses schreckliche Wochenende veröffentliche, eines der schrecklichsten, das meine kleine Nation seit langem erlebte. Ich weiß, daß es Journalisten gibt, die im Moment mit mir in Kontakt zu treten versuchen, aber ich kann nicht jedem antworten, und ich will das auch nicht. Ich werde vielleicht in der kommenden Woche weitere Texte veröffentlichen, aber fangen wir mit diesem an. Ich schreibe normalerweise für ein internationales Publikum, aber nachdem in diesen Vorfall norwegische Opfer und ein norwegischer Täter verwickelt waren, werde ich denselben Text auch auf Norwegisch anfügen.
Nein, ich bin Anders Behring Breivik nie in meinem Leben begegnet. Er weiß nicht einmal, wie ich aussehe.
Nein, ich hatte absolut gar nichts mit den Massakern zu tun, die am Freitag im Zentrum von Oslo und auf Utøya stattfanden. Ich war nirgends in der Nähe der Schauplätze. Ich hatte vor, in einem örtlichen Kino zusammen mit einem Familienmitglied einen Film anzusehen, als ich die Nachricht erhielt, daß eine massive Explosion das Zentrum von Oslo erschüttert hat. Von diesem Moment an bloggte ich live zusammen mit nahezu einem Dutzend verschiedener Leute auf „Gates of Vienna“ bis nachdem der mutmaßliche Schütze auf Utøya gefaßt worden war.
Wie reagierte ich auf die Ereignisse, die ich an diesem Nachmittag erlebte? Mit absolutem Entsetzen und Abscheu, so wie jeder andere. Ich gebe zu, daß ich zuerst dachte, wir hätten es mit einem islamisch-dschihadistischen Anschlag zu tun, was von den Behauptungen einiger islamischer Organisationen bestätigt zu sein schien, daß sie dahinterstecken würden. Aber die Schießereien auf Utøya schienen nicht dem üblichen dschihadistischen Muster zu folgen, und im Laufe des Abends wurde langsam klar, daß wir es mit etwas anderem zu tun hatten, und mit etwas möglicherweise noch Erschreckenderem. Wer immer diese unaussprechlichen Greueltaten beging, ist ein Monster und verdient genausowenig Mitleid, wie er für seine unschuldigen, unbewaffneten Opfer hatte.
Wie fühle ich mich bei dem Wissen, daß der mutmaßliche Täter dieser Greueltaten mich in seinem vielbesprochenen Buch zitiert hat? Absolut schrecklich. Was kann ich sonst sagen? Ich muß betonen, daß ich sein sehr langes Buch oder Manifest noch nicht gelesen habe und ich gegenwärtig auch weder die Zeit noch die Nerven dazu habe. Ich kann mich nur auf dies und jenes davon beziehen, das in verschiedenen Nachrichtenartikeln zitiert wird und auf das, was andere mir laufend sagen. Er hat anscheinend recht viele Texte aus einer Vielzahl öffentlicher Quellen zitiert, von denen ich eine bin. Sein totaler Mangel an Respekt für Menschenleben ist jedoch nichts, das er von mir oder irgendeinem der anderen islamkritischen Autoren aufgeschnappt haben kann, wie Robert Spencer oder Bat Ye’or. In der Tat ist der Mangel an Respekt für Menschenleben oft einer der großen Mängel der islamischen Kultur, auf die wir ständig hingewiesen haben.
Ich habe auch niemals in einem meiner Essays zur Gewalt aufgerufen, und ich würde schätzen, daß ich unter diesem Namen zwischen einer und zwei Millionen Worten im Internet veröffentlicht habe. Ich weiß es ehrlich gesagt selber nicht, ich habe vor Jahren die Übersicht verloren. Diese Essays sind nicht verborgen. Sie sind alle offen im Internet und können von jedem mit Zugang zu einer Suchmaschine gefunden werden. Ich habe nichts zu verbergen, soweit es mich betrifft. Ich schreibe über Themen, die von der Astrophysik bis zur Geschichte der Schokolade und des Biers reichen, aber ich schreibe auch über sensible und umstrittene Themen, und ich weiß es. Wir können nicht aufhören, über belastete, aber wichtige Angelegenheiten zu schreiben. Leute wie ich haben seit Jahren vor steigenden ethnischen Spannungen gewarnt, wir haben sie nicht geschaffen. Sie wurden von galoppierender Masseneinwanderung in westliche Länder geschaffen, und solange diese galoppierende Einwanderung weitergeht, fürchte ich, daß diese Spannungen genauso weiterhin zunehmen werden. Ich wünsche dies nicht; ich warne nur davor, daß es wahrscheinlich geschieht.
Bin ich ein Extremist? Ich gebe zu, daß ich ein starkes Engagement für die Wahrheit habe. Dessen bin ich schuldig. Zum Beispiel bemerke ich, daß bis vor sehr kurzer Zeit buchstäblich niemand vom „moderaten Islam“ im Gegensatz zum „radikalen Islam“ oder „Islamismus“ sprach. Wie kommt das? Und obwohl nahezu alle großen Tageszeitungen, Fernsehstationen und führenden Politiker in der ganzen westlichen Welt uns täglich versichern, daß es einen riesigen Unterschied zwischen moderatem und radikalem Islam gibt, scheinen wenige, falls überhaupt welche, von ihnen erklären zu können, worin genau dieser Unterschied besteht. Ich finde das seltsam, und ich bin nicht der einzige.
Macht es mich sehr extrem, wenn ich darauf hinweise? Vielleicht. Aber wie erklärt man dann, daß Recep Tayyip Erdogan, der Premierminister des NATO-Mitgliedsstaates Türkei, öffentlich behauptet hat, daß es so etwas wie einen moderaten Islam nicht gibt? Immerhin ist er ein sehr, sehr moderater Moslem, der ein sehr sehr moderates moslemisches Land führt, wo Adolf Hitlers Autobiographie „Mein Kampf“ noch 2005 ein Bestseller war. Ich weiß, wie moderat Erdogan ist, weil westliche Führer uns immer an diese Tatsache erinnern. Wenn dieser außergewöhnlich moderate Mann also sagt, daß es so etwas wie einen moderaten Islam nicht gibt, dann ist er es sicherlich wert, daß man ihm zuhört?
Das Extremste, das ich an diesem Wochenende tat, war zwei Nächte lang hintereinander fast gar nicht zu schlafen, erstens wegen der schrecklichen Ereignisse, die ich gerade erlebt hatte, die mich zutiefst betroffen machten, aber auch wegen der falschen Gerüchte, die tagelang in mehreren Ländern kursierten, daß ich dieser Mann sei, der nahezu 100 Menschen massakrierte. Ich bin jetzt schon seit einigen Jahren in der Bloggerei tätig und habe in der Zwischenzeit einige öffentliche Kämpfe durchgemacht, aber ich bin nie zuvor beschuldigt worden, der schlimmste Massenmörder in der skandinavischen Geschichte zu sein. Das passiert sogar mir zum ersten Mal, und ich hoffe aufrichtig, daß es kein zweites Mal geben wird. Ich bin ein normales menschliches Wesen und habe dies nicht gerade genossen. Das Zweitextremste, das ich an diesem Wochenende getan habe, war einen alten Film anzusehen, Pinot noir-Rotwein aus Neuseeland zu trinken und ein Buch über mittelalterliche Geschichte zu lesen. Das ist zufälligerweise das Extremste, was ich an einem durchschnittlichen Wochenende tue.
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På norsk:
Nei, jeg har aldri i hele mitt liv møtt Anders Behring Breivik. Han vet ikke engang hvordan jeg ser ut.
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